Regensburg

Podiumsdiskussion in der St. Johannes Werkstätte Regensburg

OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten sprechen über Inklusion und Barrierefreiheit

Komplexe politische Inhalte einfach rüberbringen? Das geht… mit Leichter Sprache! Um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine fundierte Wahlentscheidung zu ermöglichen, hat die St. Johannes Werkstätte Regensburg eine Podiumsdiskussion in Leichter Sprache organisiert.

Die Regensburger OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten Astrid Freudenstein (CSU), Thomas Burger (SPD), Helene Sigloch (Die Grünen) und Sebastian Wanner (Die Linke) waren zu Gast in der St. Johannes Werkstätte. Sie stellten ihre Pläne für Inklusion und Barrierefreiheit vor und gingen auf die Fragen der etwa 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

Einrichtungsleiter Holger Lauer begrüßte die Gäste: „Kommunalpolitik betrifft uns alle unmittelbar in unserem Alltag. Deshalb freuen wir uns sehr, dass Sie sich Zeit nehmen und über die Themen sprechen, die unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig sind.“ Lauer rief die Beschäftigten eindringlich dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Er unterstrich die Bedeutung der Politik für Inklusion und verwies in diesem Zusammenhang auch auf das Positionspapier der KJF in leichter Sprache.

 

Vielfältige Themen kamen zur Sprache

Die Werkstatträte Johannes Gutekunst und Constanze Pöllinger moderierten die Diskussionsrunde gemeinsam mit der Frauenbeauftragten Monika Staudacher. Sebastian Müller, Leiter des Büros für Leichte Sprache der KJF, übersetzte die Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten bei Bedarf in Leichte Sprache. Die Themen, die in der Diskussionsrunde zur Sprache kamen waren vielfältig: Natur- und Umweltschutz, die Stärkung der regionalen Wirtschaft oder eine gerechte Entlohnung für die Beschäftigten der Werkstätten. Den größten Raum nahmen Inklusion und Teilhabe sowie die Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr ein.

Astrid Freudenstein (CSU) ist derzeit Sozialbürgermeisterin der Stadt Regensburg und war insgesamt fünf Jahre Mitglied im Deutschen Bundestag. Sie spricht sich dafür aus, Menschen mit Behinderung noch mehr in den Arbeitsmarkt zu integrieren: „Im Sportamt gehen wir schon mit gutem Beispiel voran, aber wir alle müssen noch mehr dafür tun.“ Der Stadtrat habe schon mehr Geld für Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr bewilligt, aber es gebe noch einiges zu tun: „Von unseren 630 Bushaltestellen ist nur jede vierte barrierefrei, das muss besser werden.“ Freudenstein berichtete, dass es bereits Pläne gibt, in Zusammenarbeit mit dem Verein Zweites Leben zusätzliche Wohnplätze in Regensburg für Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Thomas Burger (SPD) ist seit 24 Jahren im Regensburger Stadtrat aktiv. Um Menschen mit Behinderung bessere Einstiegs-Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten, will er den Inklusionsbeauftragten der Stadt Regensburg einbeziehen: „Wir müssen die Menschen und die Unternehmen bei der Integration noch besser unterstützen.“ Auch Thomas Burger räumte ein, dass es im öffentlichen Nahverkehr noch Verbesserungsbedarf gibt: „Bei den Bussen sind wir schon gut aufgestellt, aber die Haltestellen müssen noch barrierefreier werden.“ Burger betonte, dass jeder Mensch das Recht hat, zu wohnen wie er will: „Es ist die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.“

Helene Sigloch (Die Grünen) ist Mitglied im Stadtrat Regensburg und engagiert sich als Betriebsrätin. „Die Menschen sollten selbst entscheiden können, wo sie sich eine Arbeit suchen möchten und welche Schule sie besuchen wollen.“ Sie will sich stärker für Barrierefreiheit einsetzen, in Schulen, Spiel- und Sportplätzen sowie auch digital. Um die Barrierefreiheit im Nahverkehr zu verbessern, verwies Sigloch auf den Plan, eine Stadtbahn zu bauen. Dieser Vorschlag fand aber bisher keine Mehrheit. „Es gibt zwar schon Initiativen für mehr barrierefreies Wohnen, aber noch nicht genug“, stellte sie fest. „Die Stadt kann hier mit der Vergabe von Baugrundstücken helfen, zum Beispiel in der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne.“

Sebastian Wanner (Die Linke) kandidiert bei der Kommunalwahl für den Regensburger Stadtrat und das Amt des Oberbürgermeisters. Er will barrierefreies und inklusives Wohnen ausbauen, „damit jeder Mensch die Möglichkeit hat, in der Stadt zu leben“. Zur Integration von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt will er Stellen für das sogenannte Job-Carving schaffen, damit Mitarbeiter und Unternehmen besser zueinander finden: „So könnte man analysieren, welcher Job zu welchem Menschen passt.“ Wanner will die Situation im Nahverkehr verbessern, indem mehr Busse eingesetzt werden, zu den Stoßzeiten auch Express-Busse, um eine Überfüllung zu vermeiden. Beim barrierefreien Wohnraum betonte er, dass es selbstverständlich sein sollte, Menschen mit Behinderung überall einzubeziehen und ihre Ratschläge oder Anliegen zu berücksichtigen.

Johannes Gutekunst und seine Kolleginnen wiesen darauf hin, dass ein Wahllokal in der Regensburger Innenstadt nicht barrierefrei erreichbar ist. Sie schlugen vor, es künftig in die Turnhalle der Realschule Niedermünster zu verlegen. Astrid Freudenstein erklärte, dass die Stadt Regensburg immer versuche, eigene Räume als Wahllokale zu nutzen. Sie sagte zu, den Vorschlag mitzunehmen und ihn bei der nächsten Wahl einzubringen. Auch das Entgelt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätten kam zur Sprache. Die Kandidatinnen und Kandidaten sprachen sich für eine Anpassung aus, verwiesen aber auch darauf, dass dafür die Bundesregierung verantwortlich ist und nicht die Kommunalpolitik. Sie wollen das Thema an die zuständigen Politikerinnen und Politiker herantragen.

Text und Bilder: Sebastian Schmid